Kapitel 1

Kapitel 1
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Jerusalem, Palästina
5. Juni 1191 A.D.
kurz nach Mitternacht

Die Wachen verfolgen mich nicht weiter. Denn mitten in der Nacht war niemand wach, der ihre Pferde hätte satteln können. Ich beschließe, mich weit von der Stadt entfernt bei einer Oase zu verstecken und auszuruhen. Ich hatte 9 Ziele über den Unterhändler erhalten. 9 Personen die meiner Klinge zum Opfer fallen müssen um meinen Einzug ins Paradies zu sichern. Die Meisten müssen nur einen töten. Doch ich war feige. Nach dem Tod des Opfers, der für mich dieser eine sein sollte, floh ich. Aber was noch schlimmer war: mein Opfer überlebte den Anschlag! Da ich allerdings nach Masyaf zurückkehrte bekam ich diese neue Chance. 3 Personen von diesen 9 weilen nun schon nicht mehr unter den Lebenden. Und der 4. wird bald folgen. Das nächste Ziel ist der Herrscher von Damaskus. Nicht mehr lange und auch er wird merken wie vergänglich das Leben doch ist, obwohl er mit dieser Erkenntnis wohl kaum sein Leben bereichern können wird.
Nach einigen Stunden erreiche ich die Oase und schlage mein Lager auf. Zwischen einer Felsformation und einigen Palmen ist es gut vor Blicken geschützt. Mit diesem Wissen kann ich mich zur Ruhe legen. Zur Sicherheit schlafe ich aber immer mit einem offenem Auge und einem offenem Ohr.

*

Toulouse Stadtkern, Frankreich
4. Mai 2260 A.D.
21:30 Uhr

„Animus wiederhergestellt.“, ertönt eine elektronische Frauenstimme. Mit diesen Worten erwacht Trassia erschöpft und legt ein Visier ab, mit dem sie Zugriff auf ihr genetisches Gedächtnis erlangt. Sie ist 22 Jahre alt, sehr sportlich, hat türkise Augen und kurze schwarze Haare, die ihr bis zu den Ohren reichen, leicht nach hinten gegeelt sind und in einem Fransenschnitt enden. So erschöpft wie jetzt fühlt sie sich immer, wenn sie aus der Maschine kommt, welche vom Aussehen her an einen Sarg erinnert, nur, dass dieser hier eher rund ist, aus Kunststoff besteht und einen Plexiglasdeckel besitzt, der nur über den Augen verläuft, und auf welchem ein Menü eingeblendet wird.
Es ist das Jahr 2260. Und es sieht nicht gerade gut für die Welt aus. Ein uralter Geheimbund, über den es so gut wie keine Informationen mehr gibt, erhob sich vor 2 Jahren wieder aus dem Untergrund. Genau hier kommt Trassia ins Spiel; denn sie ist eine Nachfahrin eines der Berühmtesten dieses Geheimbundes. Vor kurzem wurde eine erstaunliche Technologie entwickelt, mit der es möglich ist Lebensabschnitte eines Vorfahren zu erleben. Dies ist der erste Lichtblick seit Jahren, den es gibt um diesem Alptraum ein Ende zu bereiten. Denn seit die Assassinen wieder erschienen sind gab es viele Tote. Und jeden Tag werden es mehr. Die Assassinen haben nur ein Ziel: sie wollen alle Regierungen stürzen um die Weltherrschaft zu erlangen. Und dabei gehen sie nicht gerade zimperlich vor. Ihre Ziele sind nicht mehr nur hohe Politiker, sondern auch Machthaber außerhalb der Politik. Sie versuchen zwar Schäden an Unschuldigen in Grenzen zu halten, doch oftmals sind diese unvermeidbar. Und für die Assassinen zählt praktisch nur ihr Ziel.
„Was hast du herausgefunden?“ Jonathan stellt ihr diese Frage. Jonathan ist der typische Wissenschaftler. Kurze, graue Haare und trotz seines Alters noch recht sportlich. Er trägt einen typischen weißen Wissenschaftlerkittel, darunter ein blaues Hemd und eine rote Krawatte. Er leitet nicht nur das „Project Assassins“, welches er so getauft hatte, er erfand auch die Maschine, welche Trassia benutzt um mehr über die Assassinen zu erfahren. Und er muss Ergebnisse liefern. Denn wenn er das nicht tut, wird ihm der Geldhahn zugedreht werden. Doch das ist nicht das einzige Problem mit dem Projekt. Denn Trassia ist, in der kurzen Zeit, seit der er sie kennt, zu seiner besten Freundin geworden. Man könnte fast sagen, dass sie wie eine Schwester für ihn ist. Er hat jedes Mal eine riesige Angst um sie, wenn sie die Maschine benutzt, da er glaubt, seine Erfindung könne auch gefährlich werden. Er weiß nicht, was passieren würde, wenn die Person ihr Leben aushaucht, deren genetisches Gedächtnis sie gerade abruft. Würde Trassia dann auch sterben? Oder würde sie wieder normal aufwachen? Aber darauf kann er sich jetzt nicht konzentrieren. Sie beide haben weitaus größere Probleme. Schließlich haben sie genug damit zu tun im Hier und Jetzt zu überleben. Denn jeden Tag gewinnen die Assassinen immer mehr an Einfluss. Und mit einigen kleinen Attentaten ist es schon nicht mehr getan. Sie haben eine Armee aufgestellt und greifen immer öfter die Stadt an.
„Wie immer nichts Neues. Seit der Abreise von Burg Masyaf gab es nur Attentate in verschiedenen Orten, von denen ich noch nie etwas gehört hab. Jerusalem, Damaskus und Akkon“, sagt Trassia, während sie in einem kleinen Zimmer den hautengen grauen Anzug mit gelben Streifen, die als elektrische Leiter fungieren, den sie in der Maschine tragen muss, ablegt und sich wieder ihre Alltagskleidung, ein schwarzes schlappriges T-Shirt und eine Jeans, anlegt.
„Es ist unsere einzige Chance. Immerhin haben wir schon Fortschritte gemacht. Vor ein paar Wochen wussten wir noch gar nichts. Und jetzt haben wir immerhin schon einmal Anhaltspunkte…“. Jonathan will seinen Satz fortführen, doch er wird unterbrochen.
„Die uns nichts bringen!“, sagt Michael grimmig. Er ist der Anführer der Gruppe von Männern, die den Hauptsitz der Assassinen stürmen sollen, sobald er gefunden wird. Bis dahin sind sie damit beauftragt das Projekt zu schützen. „Wir müssen nur herausfinden wo diese Städte, Jerusalem, Damaskus und Akkon, liegen. Dann haben wir, was wir brauchen!“ Jonathan hasst Michael. Denn dieser hat nur eins im Sinn: er will ihn niedermachen. Wenn es nach Michael ginge würde er im Alleingang rausgehen und jeden seiner Feinde niedermähen. Doch das würde nie funktionieren, denn die Assassinen sind schon jetzt viel zu zahlreich und sie gewinnen stetig neue Anhänger. Sie sind keine kleine Sekte mehr, die nicht einmal 1000 Anhänger hat; sie sind zur einzigen Bedrohung geworden, die es noch auf der Welt gibt. Auch sind sie so machtgierig wie in der Vergangenheit, doch zeigen sie es jetzt viel offener und unterstreichen es mit viel aggressiveren Methoden.