Prolog

Prolog

Jerusalem, Palästina
4. Juni 1191 A.D.
Mitternacht

Seit 3 Tagen bin ich ihm auf der Spur. Und seit 3 Tagen weiß er nichts davon.
Doch vielleicht weiß er, dass es Leute gibt, die ihn nicht gerne so sehen wie er aktuell ist.
Am Leben. Er ist vorsichtig. Bewegt sich nie ohne seine Leibgarde aus dem Haus, und schläft
immer mit einem Dolch neben seinem Bett. Doch heute wird er das letzte Mal seine Augen schließen.
Denn ich habe eine Möglichkeit entdeckt ihn zu erledigen. Er lässt sich zwar selbst während seines Schlafes bewachen, doch er hat einen Fehler gemacht. Denn seine Wachen brauchen ebenfalls Schlaf. Und die Wachablösung ist in tiefster Nacht, wenn die gesamte Stadt bereits schläft und nur wenige Wachen auf den Strassen patrouillieren. Normalerweise ist es nicht meine Art die Zielperson heimlich und in tiefster Dunkelheit zu eliminieren, doch diesmal ist das kein großes Problem. Mein Ziel ist schon seit mehreren Monaten im Gespräch der Stadt, und die Gründe für seinen Tod sollten schnell klar werden.
Doch mich interessieren die genauen Gründe nicht. Für mich gibt es nur ein Ziel, und das ist gerade unbewacht. Deshalb muss ich schnell handeln.
Die Ablösung für die Wachen, welche gerade den Raum verlassen haben, müsste bald da sein.
Ich springe von dem Dach, auf welchem ich die ganze Zeit auf diesen Augenblick gewartet habe, auf einen Balken, der genau unter dem Fenster meines Opfers endete. Ich renne den Balken entlang und springe nicht gerade lautlos durch das Fenster.
Er erwacht. Doch es ist zu spät für ihn. Ich lasse meine Handgelenksklinge bereits hervorschnellen und versenke sie noch in derselben Bewegung in der Kehle meines Opfers.
Er will noch schreien, doch seinem offenen Mund entfährt kein Ton mehr. Durch meinen geräuschvollen Eintritt in das Gebäude schien ich die Wachen aufgeschreckt zu haben. Denn sie rennen gerade wieder durch die Tür. Ich blicke sie noch kurz an und lächle ihnen zu, obwohl ich bezweifle, dass sie das sehen. Denn meine Kapuze hüllt mein Gesicht in Dunkelheit.
Und schon verlasse ich das Gebäude wieder auf demselben Weg über den ich es betreten hatte. Ich springe wieder auf das Dach des Gebäudes auf dem ich gelauert hatte, und setze meinen Weg fort.
Ich springe auf das nächste Gebäude, und habe bereits mein letztes Ziel für diesen Auftrag in Sicht: Die Stadtmauer. Da es Nacht ist und die Stadttore geschlossen sind, habe ich nur eine Chance aus der Stadt zu entkommen: Ich muss auf die Stadtmauer gelangen und dann auf der anderen Seite wieder herunter springen. Durch mein jahrelanges Training ist das aber kein allzu großes Problem für mich. Ich renne auf den Rand des letzten Gebäudes zu, das es noch vor der Stadtmauer gab.
Schließlich erreiche ich ihn, und springe mit einem Satz auf die Mauer zu. Ich erreiche gerade noch einen kleinen Vorsprung, und halte mich daran fest.
Um die Stadtmauer zu erklimmen muss ich noch etwa 5 Meter nach oben klettern. Deshalb setze ich zu einem Sprung an, um einen weiteren Vorsprung weiter oben zu erreichen.
Kurz bevor ich den Vorsprung erreiche bleibt die Zeit für mich fast stehen. Denn ich bemerke, dass mein Sprung nicht hoch genug war. Ich kann den Vorsprung gerade noch mit den Fingerkuppen erreichen und rutsche fast ab.
Mit einem letzten Ruck schaffe ich es gerade noch mich festzuhalten. Nun muss ich mich beeilen. Denn als ich zurückblicke, sehe ich bereits Fackelschein und vernehme das wütende Gebrüll der Wachen.
Anscheinend sehen sie mich noch nicht, und meine dunkle Kleidung, die ich immer trage wenn ich in der Nacht aktiv bin, verschafft mir noch zusätzlichen Schutz.
Ich beeile mich dennoch lieber, und erklimme die restliche Mauer. Ich springe von der Mauer und rolle mich dann ab. Dann renne ich noch etwa 10 Meter weiter zu einer kleinen Felsformation, hinter der ich mein Pferd versteckt hatte.
Ich besteige es und reite mit ihm zurück ins Gebirge. Für diesen Auftrag gibt es kein Geld und keine Belohnung. Denn ich bin kein einfacher Mörder. Ich bin Altaïr, Meisterassassine. Ich töte nicht für Geld, sondern für Raschid al-Din, den Alten vom Berge der mir diesen Auftrag über einen Unterhändler erteilte. Und ich bin nicht der Einzige.